Solms-Burgsolms (hp). “Welche Folgen hat die Finanzkrise für Bürger, Banken und Kommunen an Lahn und Dill?” Dieser Frage ging am Donnerstagabend die Freie Wähler Gemeinschaft Lahn-Dill in Zusammenarbeit mit der FWG Solms im Rahmen ihres gemeinsamen Jahresempfangs in der Taunushalle in Burgsolms mit einer hochinteressanten Podiumsdiskussion nach. Mit Klaus-Jörg Mulfinger, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Wetzlar, Dr. Peter Hanker, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Mittelhessen, Roland Esch, Bürgermeister in Aßlar, FWG-Fraktionsvorsitzender im Kreistag Lahn-Dill und Stellvertreter von Wolfgang Hofmann, 1. Kreisbeigeordneter und 1. Vorsitzender der FWG Lahn-Dill, der ebenfalls zum Podium gehörte, standen profunde Kenner der Situation Rede und Antwort. In Dr. Uwe Röndigs, Chefredakteur der Zeitungsgruppe Lahn-Dill, hatten die Freien Wähler einen adäquaten Moderator für die illustre Runde gefunden. Rund 200 Gäste unterstrichen mit ihrem Kommen, dass ein Thema aufgegriffen wurde, das vielen unter den Nägeln brennt. Rainer Herold, der den Solmser FWG-Vorsitzenden Frank Hintersehr vertrat, hieß zu dem Empfang unter den politischen Kollegen der Region besonders Vize-Regierungspräsident Hans-Otto Kneip, Landrat Wolfgang Schuster (SPD), Kreis-Sozialdezernent Günther Kaufmann-Ohl (Grüne), für den Kreistag die Fraktionsvorsitzenden Anke Hartmann (SPD) und Heinz Schreiber (Grüne) sowie für Solms den Bürgermeister Frank Inderthal (SPD), Stadtverordnetenvorsteher Dieter Hagner (SPD) und die 1. Stadträtin Heidi Deeken-Schiller (Grüne) willkommen. Herold erinnerte an die Geburtstunde der Freien Wähler vor 66 Jahren und hieß mit dem Solmser Ehrenbürgermeister und FWG-Ehrenvorsitzenden Erich Mohr und dem Hüttenberger Ehrenbürgermeister Hans Schmidt, zwei Männer der ersten Stunde willkommen. „Die 2008 durch die Immobilienkrise in den USA ausgelöste Finanzkrise hat sich bis zur Eurokrise entwickelt und wir möchten beleuchten, was das für uns vor Ort bedeutet“, erläuterte er den Hintergrund des Abends, dessen Thema Mohr vorgeschlagen hatte. „Heute geht es um Geld, Stabilität und Krise, denn wir haben spannende Wochen vor uns und sind auf die Einschätzung unserer Podiumsgäste gespannt, wie es für Deutschland, aber auch die Region weiter geht“, sagte Dr. Uwe Röndigs. Dafür hatte er sich einen Fragenkatalog zurecht gelegt, der schlussendlich deutlich machte: „Wir meistern die Krise!“ Der Wermutstropfen dabei: Es heißt sparen – auch da, wo es weh tut.

„Gab es für Sie Momente zum Luft anhalten und fragen: Wie geht es weiter?“ fragte Dr. Röndigs.  Roland Esch sieht die Entwicklung bemerkenswert: „Keiner hätte gedacht, dass wir über Griechenland so nah an den Abgrund kommen und doch denke ich: Europa steht das durch und ich sehe keine Existenzbedrohung!“ Auch Klaus-Jörg Mulfinger gab sich zuversichtlich: „Es war immer spannend zu beobachten wie Politik und Rating-Agenturen taktieren, Märkte reagieren und manchmal hätte man nicht gedacht, dass sie noch die Kurve kriegen, doch ich bin sicher: Wir meistern die Krise!“ Dr. Peter Hanker sah den kritischen Punkt in der Leidensfähigkeit der Menschen und scherzte: „Bei so viel schlechten Nachrichten hätte die Befürchtung aufkommen können, dass es kein Bargeld mehr gibt und ich weiß nicht, ob uns dieses gereicht hätte, wenn alle das ausprobiert hätten.“ Wolfgang Hofmann gab zu bedenken, dass Schulden in der Kommunalpolitik schon weit länger ein Problem sind als drei Jahre: „Keiner weiß, wie wir die Schulden zurück zahlen können, doch jammern hilft nichts, deshalb hat auch diese Krise irgendwann ein Ende.“ Historisch betrachtet habe man in der Vergangenheit schon weit schlimmere Katastrophen gemeistert, daher sehe er eine gute Basis, auch diese zu schaffen.

Ausgehend von diesem Rückblick, fragte Röndigs nach den Mechanismen, die eine solche Krise auslösen, wie ein Schuldenschnitt für Griechenland weiter helfen kann, wem man die Schuld zusprechen kann, ob Staatsschulden Treiber für die Krisen sind, ob Kommunen noch Kredite bekämen, wenn  man sie wie Unternehmen behandelte, wie sich die derzeit niedrigen Zinsen auswirken, wie wichtig private Altersvorsorge ist, an welcher Schraube am besten zu drehen ist, um aus der Krise zu kommen und ob die Herren mit dem Krisenmanagement der deutschen Politik zufrieden sind. Mulfinger sprach beim Blick auf die Mechanismen der Entstehung einer solchen Krise ebenfalls von einem älteren Problem: „Grenzenloser Konsumrausch trieb die Verschuldung weltweit nach oben und die Bankenkrise war der letzte dicke Tropfen, der die Blase zum Platzen brachte, wobei die dichte Vernetzung ein großer Teil des Problems ist und irre Beträge auf der Schuldenseite der Staatshaushalte entstanden, die keiner mehr tilgen kann.“ Hanker sieht in 2012 ein Jahr des Übergangs: „Wir müssen an der Situation arbeiten, es ist noch kein Ende in Sicht, aber der Euro wird bestehen bleiben.“ Ein Schuldenschnitt sei die einzige Lösung, dürfe aber nicht zum Regelfall werden. „Das betrifft nicht nur Griechenland – wenn modern wird, dass man so billig aus der Misere kommt, kann es schnell überspringen und auch große Nationen treffen“, so Hanker. „Wir müssen uns vor allem bewusst sein, das es unsere Steuergelder sind, die Merkel und Schäuble zur Verfügung stellen – Steuergelder, die bei uns überall fehlen.“ Davon konnten Esch und Hofmann ein Lied singen. „Die Schulden steigen stetig und wir können nichts oder wenig tun, um sie abzubauen“, so der Vize-Landrat und sprach von den mehr als 90 Prozent Pflichtaufgaben, die von den Kreisen bewältigt werden müssen. Viele Umlagen, Sozialhilfe, Jugendhilfe, Schulen und Vieles mehr kommen da zusammen. „An dem kleinen Teil, den wir an freiwilligen Leistungen haben, wie zum Beispiel die Sportförderung, zu sparen, tut dann besonders weh.“ Es wäre gut, wenn die gesetzlich festgelegte ausreichende Finanzausstattung der Kreise durch Bund und Länder auch wirklich realisiert oder die Verpflichtungen reduziert würden, findet Hofmann. „Eine Patentlösung gibt es nicht – wir müssen alle Maß halten und uns nach der Decke strecken und nicht wie der Bund Gelder ausgeben, von denen man hofft, sie zu bekommen“, so Esch, der von Aßlar sagen kann, dass er auch den 16. Haushalt ausgeglichen einbringen konnte. „Wir haben Kontakt mit den Unternehmen aufgenommen und Einnahmen und Ausgaben vernünftig eingeschätzt – das ist wie zu Hause: Man hält einen Sicherheitsabstand ein, um bei Bedarf reagieren zu können.“ Private Altersvorsorge sehen übrigens beide Banker als unerlässlich an und raten zu sicheren Anlagen. Im Großen und Ganzen konnten die Gäste des Jahresempfangs eine Menge interessante Informationen und Erkenntnisse mit nehmen und hatten im Anschluss Gelegenheit, das ein oder andere Thema noch im Gespräch zu vertiefen.